Was die Heizlast ist
Die Heizlast ist die Wärmeleistung in Kilowatt, die ein Gebäude am kältesten Auslegungstag braucht, um alle Räume auf Solltemperatur zu halten. Sie setzt sich aus Transmissionsverlusten durch Wände, Fenster, Dach und Boden und aus Lüftungsverlusten zusammen. Sie ist keine Energiemenge (die wäre in Kilowattstunden), sondern eine Momentanleistung – und sie ist viel kleiner, als die alte Heizung vermuten lässt: Gas- und Ölkessel wurden in der Regel mit 50 bis 100 % Reserve gewählt, weil Überdimensionierung dort kaum Effizienz kostete. Bei der Wärmepumpe kostet sie Geld und Lebensdauer.
Die Berechnung nach DIN EN 12831
Verbindlich ist die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 mit dem nationalen Anhang DIN/TS 12831-1. Sie braucht Bauteilflächen und U-Werte, die Norm-Außentemperatur des Standorts, Raumsolltemperaturen und Luftwechsel. Das Ergebnis ist eine Gebäudeheizlast und eine Liste je Raum – letztere ist später die Grundlage für den hydraulischen Abgleich und die Prüfung der Heizkörper. Die Norm-Außentemperatur ist das Zweitagesmittel, das an einem Standort im Schnitt zehnmal in 20 Jahren unterschritten wird.
| Standort | Norm-Außentemperatur | Standort | Norm-Außentemperatur |
|---|---|---|---|
| Münster | −10 °C | Berlin | −12 °C |
| Köln | −8 °C | Stuttgart | −12 °C |
| Hamburg | −10 °C | Dresden | −12 °C |
| Frankfurt | −10 °C | München | −14 °C |
Für Bestandsgebäude ohne vollständige Bauunterlagen erlaubt die Norm das vereinfachte Verfahren mit typisierten U-Werten nach Baualtersklasse. Viele Fachbetriebe nutzen dafür Software, die Energieberatung liefert die Werte ohnehin.
Schätzung aus dem Verbrauch
Wer den Energieverbrauch der letzten Jahre kennt, kann die Heizlast erstaunlich gut eingrenzen. Das Verfahren der VDI 4650 beziehungsweise der Praxis:
- Brennstoff in Nutzwärme umrechnen: Erdgas 1 kWh je kWh (Brennwert), Heizöl etwa 10 kWh je Liter, Pellets 4,8 kWh je kg – jeweils multipliziert mit dem Nutzungsgrad der alten Anlage (Gas-Brennwert 0,88 bis 0,95, Öl 0,80 bis 0,88, alter Konstanttemperaturkessel 0,70).
- Warmwasser abziehen: etwa 700 bis 800 kWh je Person und Jahr, wenn die Heizung es bereitet.
- Durch die Vollbenutzungsstunden teilen: 1.800 bis 2.100 Stunden für Wohngebäude in Deutschland, im Norden und Westen eher 1.800, im Süden und in Höhenlagen eher 2.100.
Beispiel: 22.000 kWh Erdgas × 0,88 = 19.360 kWh Nutzwärme, minus 3.000 kWh Warmwasser für vier Personen = 16.360 kWh Raumwärme, geteilt durch 1.900 h = 8,6 kW Heizlast. Bei Öl: 2.500 Liter × 10 kWh × 0,85 = 21.250 kWh, minus 3.000 = 18.250 kWh, geteilt durch 1.900 h = 9,6 kW.
Wann die Verbrauchsmethode trügt
Bei Teilbeheizung (ungenutzte Räume), nach Sanierungen während des Betrachtungszeitraums, bei Kaminöfen als Zusatzheizung oder bei sehr sparsamem oder sehr verschwenderischem Nutzerverhalten. Dann weicht sie von der Normberechnung ab – unsere Eignungsprüfung zeigt beide Schätzungen nebeneinander.
Leistung der Wärmepumpe bei Kälte
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liefert bei −10 °C weniger Leistung als bei +7 °C, weil die Luft weniger Energie enthält und der Verdichter gegen einen höheren Druckunterschied arbeitet. Deshalb darf man die Heizlast nicht mit dem Maximalwert bei A7/W35 vergleichen. Die richtige Vergleichsgröße ist die Nennwärmeleistung Pdesignh nach EN 14825, die für das Durchschnittsklima bei −10 °C bestimmt wird:
| Modell | Max. Leistung A7/W35 | Pdesignh −10 °C, 35 °C | Pdesignh −10 °C, 55 °C |
|---|---|---|---|
| ECO 030 | 8,3 kW | 5,82 kW | 5,59 kW |
| ECO 040 | 11,4 kW | 7,89 kW | 8,70 kW |
| ECO 050 | 14,8 kW | 10,27 kW | 12,17 kW |
| ECO 060 | 22,0 kW | 14,05 kW | 13,47 kW |
Bei Standorten mit −12 oder −14 °C Norm-Außentemperatur liegt die verfügbare Leistung noch etwas darunter; der Fachbetrieb liest sie aus der Leistungskennlinie ab. Für die wenigen Stunden unterhalb des Bivalenzpunkts springt der elektrische Zuheizer in der Hydrobox ein – bei richtiger Auslegung sind das weniger als zwei Prozent der Jahreswärme.
Modellgröße wählen
Die Regel: Pdesignh bei der benötigten Vorlauftemperatur ≥ Heizlast, mit einem Zuschlag für Warmwasser bei großen Haushalten und für EVU-Sperrzeiten (Faktor 1,05 bis 1,1 bei zwei Stunden Sperre). Die untere Modulationsgrenze sollte unter etwa 40 % der Heizlast liegen, damit das Gerät in der Übergangszeit nicht taktet. Für das Beispiel oben (8,6 kW, Heizkörper, 55 °C): ECO 040 mit 8,70 kW passt knapp; mit vier Personen Warmwasser und Sperrzeiten ist die ECO 050 mit 12,17 kW die sichere Wahl – und moduliert bis 5,9 kW herunter.
Typische Fehler
- Kesselleistung übernehmen. Der alte 24-kW-Kessel sagt nichts über die Heizlast.
- Sicherheitszuschläge stapeln. Zuschlag für Kälte, für Warmwasser, für „man weiß ja nie“: Am Ende steht eine Maschine, die 90 % des Jahres im untersten Modulationsbereich taktet.
- Vorlauftemperatur ignorieren. Dieselbe Wärmepumpe liefert bei 55 °C eine andere Leistung als bei 35 °C – und braucht ein Drittel mehr Strom.
- Warmwasser vergessen. Vier Personen brauchen rund 3.000 kWh im Jahr und einen Speicher, dessen Wärmetauscher zur Wärmepumpenleistung passt.
- Auf Fläche auslegen. Zwei gleich große Häuser können die doppelte Heizlast voneinander haben.
Checkliste für den Fachbetrieb
- Energieverbrauch der letzten drei Jahre mit Abrechnungen
- Baujahr, Sanierungen mit Jahr (Fenster, Dach, Fassade, Kellerdecke)
- Wohnfläche, Raumhöhe, beheizte und unbeheizte Räume
- Heizkörpertypen und -größen je Raum oder Flächenheizung mit Verlegeabstand
- Heutige Heizkurve und Vorlauftemperatur an kalten Tagen
- Personenzahl, Warmwasserkomfort, Zirkulation
- Stromanschluss, Zählerplatz, Netzbetreiber, PV-Anlage
- Möglicher Aufstellort mit Abständen zu Fenstern, Grenze, Öffnungen
Mit diesen Angaben liefert unsere Eignungsprüfung eine erste Modellempfehlung; die verbindliche Auslegung erstellt der Fachbetrieb – auf Wunsch mit unserer Unterstützung.